mein bruder.
(ja, ein bisschen als antwort auf diese eintrag zu verstehen)
als ich 1984 geboren wurde, war mein bruder 8 1/2 jahre alt.
ich weiß nicht, wie er das damals fand, noch eine schwester zu bekommen, noch weiß ich, ob er, als ich klein war, besonders lieb oder besonders böse zu mir war.
kürzlich habe ich überlegt, was mir für positive geschichten aus meiner kindheit mit ihm einfallen und um ehrlich zu sein, war das ergebnis recht ernüchternd. damals fiel mir nichts ein, und zwar wirklich nichts, heute sind es zumindest zwei ereignisse: die kleine, blaue geldtasche, die ich von ihm zum 6ten oder 7ten geburtstag bekam und der bubikopf und der kaktus den ich zum...10ten oder 11ten geburtstag bekam. außerdem wir er einmal mit mir straßenbahn gefahren ist.
ansonsten gibt es wenig. als ich ca. 10 war ging er nach wien und war ab da für mich die nächsten 10 jahre nicht oder kaum vorhanden. und nein, er kam auch nicht zu weihnachten nach hause.
wie dem auch sei: alles in allem überwiegen die negativen erinnerungen. wie er meine mutter zum weinen und meinen vater zum schreien brachte weil er in der schule versagte, unsere eltern anlog und schule schwänzte; wie er meiner schwester und mir einbläute, dass wir unseren eltern sagen sollten, dass er geige geübt hatte; wie er auf jedem foto einfach nur genervt und unwillig dreinschaute; wie er mich zusammenschrie, weil ich seine pornos gefunden hatte; wie wir zweimal im gleichen zug aber unterschiedlichen abteilen saßen (voneinander wissend); wie er mich anbrüllte, weil ich nicht zu seinem geburtstag erschienen war; wie er mich bei unserer mutter wg kurt (*) verpetzt hatte; wie er mir am begräbnis unseres großvaters zuraunte, dass er es unnötig findet, dass er hier ist,...
usw. usf.
seit 2 1/2 jahren wohnen wir nun zusammen, die wohnung gehört unseren eltern.
wer meint, das sei sicher lustig und angenehm, mit dem bruder zusammen zu wohnen, irrt sich leider.
auch ich hatte angenommen, dass es mir hier leichter fallen würde, probleme anzusprechen als es mir in meiner alten WG gefallen war, aber dem war nicht so. im gegenteil. für mich ist es noch viel schwieriger.
es gibt tage, da begrüßen wir uns nicht einmal. die zimmertüren sind zu und ich vermeide es einfach, raus zu gehen, wenn ich ihn draußen höre.
abgesehen davon ist er sowieso fast nie da, ich eigentlich mittlerweile auch nicht.
manchmal wundere ich mich, dass er so lange nicht mehr da war und höre dann von meiner mutter, dass er auf einem kongress irgendwo in den USA ist. auch ich sage ihm mittlerweile nicht mehr, wenn es nicht unbedingt sein muss, wenn ich weg fahre. es interessiert ihn sowieso nicht und ist dann eh nur überflüssige kommunikation.
als ich damals nicht bei seinem geburtstagsfest war, sprachen wir eine woche nicht miteinander. selbst wenn wir kurz im selben raum waren, ignorierten wir uns.
glücklicherweise war kurz darauf der abfluss verstopft, und wir mussten zumindest darüber sprechen.
sein verhältnis zu unseren eltern ist schlecht bis sehr schlecht.
während ich mich mittlerweile damit arrangiert habe, wie sie sind, scheint er sie für alles was sie sind ... fast schon zu verachten. wenn sie hier her kommen, zeigt er sich kaum und gibt sich wenig interessiert an ihnen. (wobei "wenig" fast schon viel wäre) das gleiche desinteresse wird auch mir und meiner schwester zu teil. als sie vor 1 1/2 jahren hier war, war es ihm nicht die mühe wert, sich zeit für sie zu nehmen, die er doch nur alle 2-3 jahre sieht.
wo fing das an? was ist passiert...? die sterne
ich weiß nicht wo der wurm drin ist, ich kann ihn auch nicht fragen, da wir dafür einfach kein gesprächsklima haben. hatten wir nie. einmal sprachen wir ein bisschen darüber. da waren wir betrunken und konnten beide ein wenig aufmachen. dass wir beide wohl eher die *schwierigen* kinder sind, im gegensatz zu meiner schwester, der alles leicht von der hand geht.
abgesehen davon verbindet uns eine vorliebe für schwarzes gewandt und dunkelrote (einrichtungs)gegenstände (zB sein motorrad und mein fahrrad), eine liebe zur musik (eine liebe zu den tönen), zu harry potter und wohl auch zu katzen.
das ist doch schon etwas.
im endeffekt denke ich, dass das konzept "familie" wohl nicht das sinnvollste der welt ist. evolutionär gesehen vermutlich sowieso so vorgesehen, dass man nicht unter seines gleichen bleibt, wo käme man denn dahin, wenn die familie der tollste ort der welt wäre?
trotzdem wäre es doch nett, gerade weil man es halt irgendwie erwartet oder wünscht oder hofft, dass es funktioniert.
was solls.
vor ein paar wochen hat er mir mitgeteilt, dass er demnächst ausziehen wird.
anstatt der erwarteten freude trat aber eher trauer bei mir ein. die tatsache dass er auszieht, untermauert schließlich wunderschön, dass wir uns wohl nie sonderlich nah kommen werden. angst habe ich davor, dass ihm irgendwann mal was zustößt, und mich darüber ärgern werde, dass das alles nie ausgesprochen wurde.
so bleibt mir nur zu hoffen, dass es igendwann mal funktionieren wird, dass wir uns zumindest ein bisschen verstehen werden.
ps: ich habe mich nun doch dazu entschlossen, diesen eintrag auf der seite sichtbar zu machen. ich weiß nicht, ob er diese seite kennt, aber eigentlich ist es egal, ob er dies hier liest oder nicht. der inhalt dürfte wohl keine überraschung für ihn sein.
als ich 1984 geboren wurde, war mein bruder 8 1/2 jahre alt.
ich weiß nicht, wie er das damals fand, noch eine schwester zu bekommen, noch weiß ich, ob er, als ich klein war, besonders lieb oder besonders böse zu mir war.
kürzlich habe ich überlegt, was mir für positive geschichten aus meiner kindheit mit ihm einfallen und um ehrlich zu sein, war das ergebnis recht ernüchternd. damals fiel mir nichts ein, und zwar wirklich nichts, heute sind es zumindest zwei ereignisse: die kleine, blaue geldtasche, die ich von ihm zum 6ten oder 7ten geburtstag bekam und der bubikopf und der kaktus den ich zum...10ten oder 11ten geburtstag bekam. außerdem wir er einmal mit mir straßenbahn gefahren ist.
ansonsten gibt es wenig. als ich ca. 10 war ging er nach wien und war ab da für mich die nächsten 10 jahre nicht oder kaum vorhanden. und nein, er kam auch nicht zu weihnachten nach hause.
wie dem auch sei: alles in allem überwiegen die negativen erinnerungen. wie er meine mutter zum weinen und meinen vater zum schreien brachte weil er in der schule versagte, unsere eltern anlog und schule schwänzte; wie er meiner schwester und mir einbläute, dass wir unseren eltern sagen sollten, dass er geige geübt hatte; wie er auf jedem foto einfach nur genervt und unwillig dreinschaute; wie er mich zusammenschrie, weil ich seine pornos gefunden hatte; wie wir zweimal im gleichen zug aber unterschiedlichen abteilen saßen (voneinander wissend); wie er mich anbrüllte, weil ich nicht zu seinem geburtstag erschienen war; wie er mich bei unserer mutter wg kurt (*) verpetzt hatte; wie er mir am begräbnis unseres großvaters zuraunte, dass er es unnötig findet, dass er hier ist,...
usw. usf.
seit 2 1/2 jahren wohnen wir nun zusammen, die wohnung gehört unseren eltern.
wer meint, das sei sicher lustig und angenehm, mit dem bruder zusammen zu wohnen, irrt sich leider.
auch ich hatte angenommen, dass es mir hier leichter fallen würde, probleme anzusprechen als es mir in meiner alten WG gefallen war, aber dem war nicht so. im gegenteil. für mich ist es noch viel schwieriger.
es gibt tage, da begrüßen wir uns nicht einmal. die zimmertüren sind zu und ich vermeide es einfach, raus zu gehen, wenn ich ihn draußen höre.
abgesehen davon ist er sowieso fast nie da, ich eigentlich mittlerweile auch nicht.
manchmal wundere ich mich, dass er so lange nicht mehr da war und höre dann von meiner mutter, dass er auf einem kongress irgendwo in den USA ist. auch ich sage ihm mittlerweile nicht mehr, wenn es nicht unbedingt sein muss, wenn ich weg fahre. es interessiert ihn sowieso nicht und ist dann eh nur überflüssige kommunikation.
als ich damals nicht bei seinem geburtstagsfest war, sprachen wir eine woche nicht miteinander. selbst wenn wir kurz im selben raum waren, ignorierten wir uns.
glücklicherweise war kurz darauf der abfluss verstopft, und wir mussten zumindest darüber sprechen.
sein verhältnis zu unseren eltern ist schlecht bis sehr schlecht.
während ich mich mittlerweile damit arrangiert habe, wie sie sind, scheint er sie für alles was sie sind ... fast schon zu verachten. wenn sie hier her kommen, zeigt er sich kaum und gibt sich wenig interessiert an ihnen. (wobei "wenig" fast schon viel wäre) das gleiche desinteresse wird auch mir und meiner schwester zu teil. als sie vor 1 1/2 jahren hier war, war es ihm nicht die mühe wert, sich zeit für sie zu nehmen, die er doch nur alle 2-3 jahre sieht.
wo fing das an? was ist passiert...? die sterne
ich weiß nicht wo der wurm drin ist, ich kann ihn auch nicht fragen, da wir dafür einfach kein gesprächsklima haben. hatten wir nie. einmal sprachen wir ein bisschen darüber. da waren wir betrunken und konnten beide ein wenig aufmachen. dass wir beide wohl eher die *schwierigen* kinder sind, im gegensatz zu meiner schwester, der alles leicht von der hand geht.
abgesehen davon verbindet uns eine vorliebe für schwarzes gewandt und dunkelrote (einrichtungs)gegenstände (zB sein motorrad und mein fahrrad), eine liebe zur musik (eine liebe zu den tönen), zu harry potter und wohl auch zu katzen.
das ist doch schon etwas.
im endeffekt denke ich, dass das konzept "familie" wohl nicht das sinnvollste der welt ist. evolutionär gesehen vermutlich sowieso so vorgesehen, dass man nicht unter seines gleichen bleibt, wo käme man denn dahin, wenn die familie der tollste ort der welt wäre?
trotzdem wäre es doch nett, gerade weil man es halt irgendwie erwartet oder wünscht oder hofft, dass es funktioniert.
was solls.
vor ein paar wochen hat er mir mitgeteilt, dass er demnächst ausziehen wird.
anstatt der erwarteten freude trat aber eher trauer bei mir ein. die tatsache dass er auszieht, untermauert schließlich wunderschön, dass wir uns wohl nie sonderlich nah kommen werden. angst habe ich davor, dass ihm irgendwann mal was zustößt, und mich darüber ärgern werde, dass das alles nie ausgesprochen wurde.
so bleibt mir nur zu hoffen, dass es igendwann mal funktionieren wird, dass wir uns zumindest ein bisschen verstehen werden.
ps: ich habe mich nun doch dazu entschlossen, diesen eintrag auf der seite sichtbar zu machen. ich weiß nicht, ob er diese seite kennt, aber eigentlich ist es egal, ob er dies hier liest oder nicht. der inhalt dürfte wohl keine überraschung für ihn sein.
FrauMorgenstern - 29. Feb, 16:25

